Wenn du dein Ziel verfehlst

Ziellos im Nirgendwo

“Entsetzt starrte sie in den dunklen Tunnel. Die Schwärze tat sich vor ihr auf und ein Schauer lief ihr über den Rücken. Fahrerlos glitt sie dahin und es blieb ihr nichts als das Vertrauen, dass schon alles gut gehen würde – und in die Technik…”

Eine Szene aus einem Thriller? Warum nicht. Eigentlich aber ist es ein kurzer Einblick in das Vorwärtskommen mit einer fahrerlosen U-bahn… Zumindest aus meiner Sicht. Denn einfach nur auf die Technik vertrauen…? Puh… ich weiß ja nicht, wie du das siehst. In solchen Fällen habe ich doch sehr meine Probleme damit.

Erinnerst du dich an die Zeit, als das Navi noch neu war? Ich stand auch da dem Ganzem ziemlich skeptisch gegenüber. Eine Computerstimme sagt mir, wo es lang geht…? Nee! Heute habe ich mich schon längst daran gewöhnt. Zugegeben, inzwischen habe auch ich, deren Orientierungssinn manchmal zu wünschen übrig lässt, die Vorteile erkannt und um ehrlich zusein, möchte ich oft ohne Navi nicht mehr unterwegs sein. So als Notabsicherung. Inzwischen übernimmt ja auch das Handy den Job, wie praktisch.

Aber so angenehm es in den meisten Fällen ist, verlässlich ist es auch nicht immer. Ein Freund stand einmal mitten in der Nacht plötzlich auf einer Baustelle , wo ihn das Navi zielgerichtet hingeführt hatte. Und auch ich muss ab und zu schlucken, wenn mir die Straße, auf der ich fahre, nicht angezeigt wird, sondern ich mich im Nirgendwo befinde. Da hilft nur: schnellstmöglichst ein Update! Oder sich amüsieren, den Abenteuersinn auspacken und gespannt ein, wo man ankommt. Oder: die Karte auspacken und ganz analog suchen – sofern man denn eine hat und diese Technik noch beherrscht…

Innere Ziele

Ich habe mich diesen Monat sehr geärgert, weil ich mein Ziel verfehlt habe. Nicht auf der Straße. Sondern im Tun. In meinen Vorsätzen. Um ehrlich zu sein, mal wieder. Am internen Navi darf noch gearbeitet werden.

Voller Enthusiasmus hatte ich mich Ende Januar für Anna Koschinskis Februaraktion #28TageContent angemeldet. Mein Ziel: jeden Tag 30 min schreiben. Vor allem Texte für meinen Blog. Denn ich habe so viele Ideen und so viel zu erzählen, dass ich diesen gerne schneller füllen möchte. Nicht zuletzt, um endlich meiner Idee #moments2memories eine Stimme zu geben und diese in die Welt zu tragen, da ich der Meinung bin, dass ich damit viele Frauen und Mamas unterstützen und das schlechte Gewissen, die Lebenszeit nicht gebührend wahrzunehmen und zu schätzen, nehmen kann. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Das Ziel klingt machbar und ich erhoffte mir dadurch eine Routine, die ich auch danach weiterführe. Denn eine Routine gibt Regelmäßigkeit. Regelmäßigkeit Vorwärtskommen.

So weit der Plan.

Zielblockierer von außen und vertane Chancen

Die äußere Wirklichkeit war dann die , dass Corona und andere Alltagscrasher wie ausgekugelter Arm, andere Kindergarteninfekte, Faschingsvorbereitungen für die Kids und Ähnliches übernahmen. Alles in allem nichts Dramatisches. Aber die Zeit war weg und die Kraft auch. Jedem guten Vorsatz a la “nächste Woche gehts dann los…” kam wieder etwas in die Quere.

Und ich ärgere mich. Nicht über die Alltagscrasher. Denn mir wird bewusst: die gibt es immer. Gerade in einer großen Familie.

Ich ärgere mich über vertane Chancen.

Die Möglichkeit, mir Routine anzugewöhnen.

Die Chance, aktiv in der Gruppe unterwegs zu sein, sich mit anderen zu vernetzen und Beziehungen aufzubauen.

Die Chance, mir Feedback von Anna zu holen – ja, das wurmt mich! Welch einmalige Möglichkeit, all inclusive!

Meinen Blog zu füllen, interessante größere und kleine Artikel in die Welt zu setzen und anzufangen, Menschen zu erreichen, das habe ich auch nicht geschafft.

Innere Zielverhinderer

Aber wenn ich mal ganz ehrlich bin, liegt es vielleicht nicht nur 100%ig am Außen. Das fällt mir nicht leicht zuzugeben. Aber ich habe meine Ziele nicht nach außen gegeben; nicht in der Gruppe, nicht anderswo. Ich habe mich nicht “committed”, wie man so schön sagt. Ein leichtes Spiel für Günther, den inneren Schweinehund, die Oberhand zu übernehmen. Denn: es weiß ja eh keiner… Macht mir also keiner einen Vorwurf.

Zudem zieht bei mir immer das Argument “große Familie”. Mit fünf Kindern ist ja immer was los und was zu tun. Ist doch verständlich, dass da nicht alles so klappt.

Ja, das stimmt einerseits schon. Und wenn es dir auch so gehen sollte, dann lass es zu, dass die Familie Raum und Kraft einnimmt und diese auch braucht. Ich denke schon, dass am Spruch: “alles zu seiner Zeit” etwas dran ist. Allerdings – und das ist die Schwierigkeit dabei – darf das letztlich nicht immer als Entschuldigung oder Ausrede herhalten. Ich muss also lernen zu unterscheiden, wann inneres Loslassen angesagt ist und wann Günther einfach mal vor die Tür muss…

Eines meiner äußeren Ziele war es, Routine im Schreiben zu bekommen. Und ja, das finde ich gut. Einerseits. Denn ich weiß, das bringt mich weiter. Auf Dauer.

Andererseits bin ich aber auch so gestrickt, dass mich Routineaufgaben im Alltag eher abtörnen und Pläne zu sehr einengen. Kann es vielleicht auch sein, dass Günther das als Waffe nimmt, um mir das letzte bißchen Antrieb, das zwischen den Alltagscrashern noch zu finden ist, zu nehmen?

Ziel reloaded?

“Wenn möglich, bitte wenden.”

Das sagt die Tante im Navi im Normalfall, wenn ich dabei bin, den Weg zu verlassen, der mich an mein Ziel bringt. Beim Autofahren geht das in der Regel.

Im echten Leben? Geht öfter, als man denkt. Ja, den Februar kann ich so nicht wiederholen. Annas Feedback bekomme ich – wenn die Zeit reicht – nur noch auf diesen Artikel.

Aber. Ich kann #28TageContent einfach im März nochmal neu starten. Nur für mich. Ja, und Günther muss dann vor die Tür. Ist hiermit committed. Du weißt also jetzt Bescheid.

Ich kann immer noch in der Gruppe Beziehungen knüpfen, denn wir sind noch zwei Wochen in der Gruppe zusammen. Vielleicht findet sich ein Blog-Buddy oder jemand, mit dem mir der Austausch Spaß macht. (Und nein, ich bin kein Freund des Genderns. Fühl dich einfach angesprochen.).

Ich kann meinen Blog immer noch füllen. Mein Inhalt geht mir nicht verloren. Ich kann immer noch Menschen erreichen und Aha-Momente auslösen oder Ermutigung geben.

Und: ich habe trotzdem in dieser Zeit viel Ermutigendes und Gutes aus den Begleitmails und den regelmäßigen Calls, an denen ich tatsächlich trotz aller widrigen Umstände versucht habe, teilzunehmen, mitgenommen. Gedanken, die sacken können und nun Zeit haben, sich zu entfalten. Und ich bin in den Calls im geschützten Rahmen aus mir herausgetreten und habe mich getraut, meine Gedanken auszusprechen. Das ist schon viel wert für mich und mein Selbstbewusstsein.

Anna hat mich ermutigt, diesen Artikel zu schreiben. Und sie hat recht, warum nicht? Ich möchte ja auch mit meiner Arbeit in erster Linie ermutigen und einen anderen Blickwinkel geben. Und im genaueren Betrachten habe ich diesen Monat doch viel gewonnen. Nicht zuletzt an Erfahrungen über Günther und mich.

Also, danke Anna! :-)Für die Ermutigungen. Und den Monat #28TageContent.

Ziel refreshed

Ich muss mein Ziel nicht reloaden. Nicht nochmals neu starten. Denn so verkehrt war das gar nicht. Ich refreshe einfach von Zeit zu Zeit. Nehme die Umwege mit Humor und genieße die Landschaft, und außergewöhnlichen Erlebnisse und Erkenntnisse, die ich auf dem normalen Weg so nicht gehabt hätte. Ein bißchen ärgern ist ok. Aber deshalb muss ich mir nicht den ganzen Monat madig machen. Ich habe anderes erlebt als erwartet. Erkenntnisse gewonnen. Ich weiß nun umso besser, wo ich im nächsten Monat hinmöchte.

Und merke: ich möchte das Leben nicht immer starr planen mit jeder Menge schon vorgeplanter Enttäuschung im Gepäck. Ich möchte flexibel sein. Die Umwege genießen und das ungeplante Picknick am Straßenrand. (Um im Bild zu bleiben…) Und ja, ich darf auch lernen, Günther vor die Tür zu setzen und manchmal #einfachmachen. Ich glaube, das Geheimnis ist, ihn nicht mit Gewalt rauszusetzen, sondern ihm Leckerlie vor die Tür zu legen…Darüber werde ich weiter nachdenken…

Und du? Was möchtest du?

Wenn dir was eingefallen ist, schreibs doch kurz in die Kommentare. 🙂 Und nein, dein Günther muss da nicht mitreden. Der darf auch mal draußen Leckerlie fressen…

Und ansonsten, falls du gerne bloggst oder schreibst, merk dir schon mal den nächsten Februar bei Anna Koschinski vor… Da startet die nächste #28TageContent-Challenge. Und wie du siehst – es lohnt sich -auf jeden Fall…!

Sei gesegnet.

Wenn du dein Ziel verfehlst
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4 Kommentare zu „Wenn du dein Ziel verfehlst

  • 27. Februar 2022 um 20:26
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    Herrlich, liebe Friederike, dein Günther. … Ich habe meinem noch keinen Namen gegeben. …
    Vielleicht kommt es noch. Oder auch nie. Da lass ich mich überraschen.
    Liebe Grüße

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    • 27. Februar 2022 um 20:45
      Permalink

      Liebe Edith, ja, da bin ich gespannt! 😀 Ich habe da mal ein Buch von Günther, dem inneren Schweinehund gesehen… (schau mal hier http://guenter-prinzip.de) Diesen Namen habe ich seitdem immer im Kopf, wenn ich an meinen Schweinehund denke…;-) Ist doch irgendwie nett, ihn zu betiteln, wird er gleich ganz zutraulich und vielleicht folgt er MIR ja dann auch mal…?:-D Liebe Grüße zurück!

      Antworten
  • 1. März 2022 um 10:13
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    Liebe Friederike,

    ich glaube nicht, dass es Ausreden sind. Weißt du, ich rede mich seit Jahren klein. Sage, ich könnte schon viel weiter sein, habe einfach nicht genug getan. Aber weißt du… Ich bin nicht bei Null gestartet wie andere, sondern bei minus 20. Ich bin losgelaufen, als ich keinerlei Ressourcen hatte. Und das war anstrengend. Mein Leben ist anstrengend. Und ich denke, das dürfen wir auch anerkennen.

    Es ist nicht nur Günther, der uns überredet, nichts zu tun. Es ist ein volles Leben, das uns fordert. Und es ist wichtig, das anzuerkennen und damit zu “planen”. Ich bin so froh, dass mein Februar einigermaßen rund gelaufen ist. Kein Corona bei uns im näheren Umfeld, keine größeren Krankheiten, keine schweren Konflikte. Das alles kostet Kraft. Und das darfst du anerkennen.

    Wenn du wieder Luft hast, dann kannst du mit Günther verhandeln. Aber nicht dann, wenn du strampelst. Dann nämlich tust du mehr als andere sehen. Du hast viel geschafft.

    Liebe Grüße
    Anna

    PS: Toller Text 🙂

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    • 4. März 2022 um 11:18
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      Liebe Anna, hab vielen Dank für den tollen Input – und “die Blumen”… 🙂
      Du hast recht, das ist ein interessanter Aspekt, von der Seite hab ich das noch viel zu selten betrachtet… Also – erst das Leben und dann Günther:-) Wobei ich trotzdem das Gefühl habe, das vermischt sich manchmal…Aber mit feinem Hinhören kann ich sicher meine Antennen dafür, was warum zu welchem Zeitpunkt dran ist, stärken. Danke. 🙂

      Antworten

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