Neulich saß unsere siebenjährige Minimaus am Tisch und zählte ihr Geld. Sie liebt Geldausgeben und sparen ist nicht so ihres… Aber ihr war klar: ich habe einen Wunsch und brauche dreißig Euro. Nachdem sie sich vor nicht allzu langer Zeit jedoch schon einmal einen Wunsch erfüllt hatte, war in diesem Sparschwein nicht mehr allzu viel übrig. Die große Midischwester saß neben ihr und half ihr zählen. Das Ergebnis: 5,04€. Hm. Kurzes Schweigen. Und dann, voll kindlichen Eifers, ihr Ruf: „Und wie krieg ich da jetzt dreißig Euro draus?“ Sekundenbruchteile verblüffte Stille. Dann meine spontane Reaktion: „Ja, da hast du recht, das ist die Frage im Leben!“

„Wie krieg ich da jetzt dreißig Euro draus?“ Mit kindlicher Unschuld hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Gehts nicht darum so oft in unserem Leben? Meine Gedanken bleiben zunächst auf der finanziellen Ebene hängen. Als größere Familie spielt Geld keine unbedeutende Rolle und die Frage nach dem „Mehr“ schleicht sich öfter in meine Gedanken. Mehr Geld durch Einsparen? Kürzen? Klügeres Handhaben? Weitere Verdienstmöglichkeiten? Die Überlegungen sind mir nicht unbekannt. Und manchmal träume auch ich von der wundersamen Vermehrung. Ich lege am Abend zehn Euro auf den Tisch und am nächsten Morgen sind es dreißig…Wäre schön…

Spontan kommt mir die Geschichte aus der Bibel der Speisung der Fünftausend in den Sinn (im Buch Johannes 6, 1-13). Da gab es sie, die wundersame Vermehrung. Und danach war sogar noch etwas übrig! So etwas wünschte ich mir im Alltagsleben.

In Minimausis Fall bleibt ihr eigentlich nur das weitere Sparen. Oder das Hoffen auf ein plötzliches Geschenk. Oder das Investieren. Investiere in Zutaten, mach Limonade draus und verkaufe diese becherweise am Straßenrand. Naja. Bei uns im kleinen Ort ist die Wahrscheinlichkeit, viel Limonade am Straßenrand zu verkaufen eher gering…

Ich kenne mich in Börsendingen wirklich null aus. Vom Investieren diesbezüglich habe ich keine Ahnung. Mit dem Geld arbeiten bzw. das Geld arbeiten lassen… Das finde ich persönlich auch immer etwas unheimlich. Faszinierend, wenn es funktioniert. Aber doch krass irgendwie.

Nur – letztlich funktioniert das Leben ja schon so… Ich denke mal vom Geldaspekt weg. Wie ist das denn mit den vielen anderen Dingen, die ich habe? Die ich mitbekommen habe? Meine Gaben, meine Talente, z.B.? In der Bibel gibts eine Geschichte von den anvertrauten Talenten (im Buch Matthäus 25,14-30). Der Boss geht weg und hinterlässt seinen drei Mitarbeitern unterschiedliche Talente (hier eine Maßeinheit). Zwei von ihnen investieren und vermehren so das Geld. Der andere verwahrt es nur, passt also „nur“ darauf auf. Als der Boss wiederkommt, befördert er die beiden Mutigen, die aus dem Geld etwas gemacht haben. Der andere wird gefeuert.

Klar, ein Gleichnis hat oft verschiedene Bedeutungsebenen und will manches verdeutlichen, was von anderen Aspekten her krass erscheint. Siehe die Geschichte vom verlorenen Schaf (im Buch Lukas 15, 4-7). Der Schäfer macht sich auf die Suche nach dem einen. Toll! Er lässt die 99 anderen in der Zeit allein. Wie bitte? Was ist denn das für ein Schäfer? Das hat mich früher immer sehr beschäftigt. Aber der Fokus hier liegt wohl tatsächlich auf der Verdeutlichung der Liebe und der Mühe, die Gott sich um jeden persönlich macht…

So wie auch bei den Talenten. Ich fand es eigentlich immer gut, dass der eine Mitarbeiter einfach gut darauf aufpasste. Immerhin, er war zuverlässig, hat das Geld nicht verloren oder verjubelt…! Aber der Boss wollte anscheinend etwas anderes. Er wollte Einsatz sehen, Engagement. Wachstum. Aus Firmensicht leuchtet uns die Geschichte wohl allen ein.

In diesem Gleichnis steht das Wort Talente für eine Maßeinheit. Lesen wir das mit heutigen „deutschen“ Augen, sehen wir da noch etwas anderes. Talente, das beziehen wir auf die Begabungen, die uns ausmachen, die Bereiche, in denen wir talentiert sind und was zu geben haben. Ich schaue mir die Geschichte daraufhin an und muss erkennen: das macht Sinn. Aber – welcher davon bin eigentlich ich selbst? Wie verhalte ich mich bzgl. meiner Talente? Verpacke und verwahre ich sie einfach gut? Oder hole ich sie vielleicht doch hervor und beginne, sie zu entdecken? Zu vermehren? Zu vergrößern? Das Gute ist: Gott schmeißt mich nicht raus! Ich darf bei Ihm sein, auch wenn ich meine Begabungen nicht in die Welt hinaustrage. Jedoch, welchen Mitarbeitern ging es eigentlich letztlich gut? Das waren die beiden, die sich um ihre Talente gekümmert hatten. Sie wurden belohnt, hatten also direkt selbst auch etwas davon. Und der andere? Der hatte keine Mühe. Musste sich um nichts kümmern. Er hatte ein bequemes Leben. Ohne Risiko. Erstmal. Im Gegenteil zu den beiden anderen. Die mussten sich trauen. Den Sprung wagen. Ein Risiko eingehen. Sie hatten was zu tun. Lebten die Verantwortung. Erstmal. Bis dann „die Ernte“ kam. Ja, das Säen ist einfach die Arbeit, die vor der Ernte investiert werden muss! Doch dann konnten sie von ihrem Einsatz leben. Nicht nur finanziell, sondern auch vom Ansehen her.

Ich werde nachdenklich. Gott möchte uns durch diese Geschichte keine Angst machen. Er möchte uns ermutigen! Wo lebe ich mit meinen Talenten? Wo verstecke ich sie? Kenne ich sie eigentlich? Meine Begabungen auszupacken und zu investieren, kostet manchmal Kraft, Zeit und Energie. Vielleicht auch Mut. Aber Gott hat gewusst: wenn ich mich um meine Talente kümmere und anfange, meine Begabungen in die Welt und in andere zu investieren, gehts mir selber gut. Nicht unbedingt nur finanziell gesehen. Aber vielleicht auch? Vielleicht könnte finanzielles Wachstum eine natürliche Folge sein, ein Segen, der im unmittelbaren Zusammenhang besteht damit, dass ich mich verantwortungsvoll um das kümmere, was Gott mir hingelegt hat?

Aber es geht mir v.a. auch in mir, mit mir, gut, meine Seele blüht auf und ich lasse ein Stück mehr von dem Menschen hervorblitzen, den Gott schon vollkommen in mir sieht. Er hat sich was mit mir gedacht. Sich überlegt, welche tollen Dinge Er mir mitgibt und in mich hineinlegt. Das hat einen Sinn! Wenn ich meine Begabungen beachte und versuche, mein Leben nach ihnen auszurichten; nicht nur egoistisch, sondern für und mit anderen – denn wir sind mit unseren Talenten auch immer ein Segen für andere – dann werde auch ich aufblühen und „befördert werden“, d.h. den Segen Gottes deutlich spüren. Manche Talente fallen mir dabei vielleicht wirklich leicht und ich möchte diese sowieso schon immer gerne ausleben. Toll, wenn ich diese schon kenne! Aber vielleicht gibt es auch Begabungen, von denen ich nur erahne, dass sie da sind, weil ich ein leises Klopfen in mir spüre oder andere mir schon oft gesagt haben, dass ich das toll kann. Manchmal brauche ich sogar jemanden, der mit mir zusammen „zählt“. Der mir hilft, den Wert zu erkennen. Vielleicht müsste ich jedoch Zeit und Engagement dafür investieren und das hält mich noch davon ab, es zu wagen. Ganz klar: Gott möchte uns nicht ÜBERfordern! Wenn ich spüre, dass ich anfange zu routieren und etwa meine Familie vernachlässige dafür, ist vielleicht momentan nicht der richtige Zeitpunkt für dieses Talent. Aber – Zeiten ändern sich! Lass es nicht in Vergessenheit geraten! Das wäre extrem schade!

Investieren bedeutet immer auch ein gewissen Risiko. Ich weiß nicht, was passiert. Aber ich kann sicher sein: wenn ich anfange, meine Talente zu investieren, werden diese immer wachsen! Vielleicht funktioniert diese oder jene Aufgabe nicht so wie gedacht. Dann ändere ich sie! Aber das Talent, das ich dabei einsetze, wird zunehmen und mir die Aufgaben auf Dauer gesehen leichter werden lassen, so wie gut trainierte Muskeln nichts mehr wissen von dem anstrengenden Beginn einer sportlichen Karriere… Mit wachsenden Talenten werden sich die Aufgaben verändern. Ich werde „befördert“. Und merke plötzlich, dass ich mir auch selber mehr zutraue. Dass ich aufblühen kann. Wer hätte das gedacht?

Wir denken manchmal, Gott meint es nicht gut mit uns. Dabei hat er uns so viel in die Wiege gelegt. Oft sind wir es selbst, die sich abhalten davon, Gottes Segen auszuschöpfen, weil wir uns selbst im Wege stehen, bequeme Wege nehmen oder die Dinge lieber vergraben als angehen.

Sei mutig! Stell dich deinen Befürchtungen! Sie sehen meist nur im Gegenlicht so riesig aus. Verkaufe deine Limonade am Straßenrand, auch wenn zunächst nicht viele Leute vorbeigehen. Fange an. Hole deine Talente raus. Vermehre sie. Dann klappt´s auch mit den dreißig Euro.

Und Minimausis dreißig Euro? Tja, wer weiß. Vielleicht investiert sie ja später an der Börse. Oder doch jetzt in Limonade…

Wundersame Vermehrung
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