Die Uhr schlägt zwölf. Mittagszwölf. Ich sitze am Esstisch, die Tastatur ruht unter meinen Fingern und gedankenverloren schweift mein Blick aus dem Fenster neben mir. Draußen breitet ein wunderschöner Sommertag seine Flügel aus. Ein klarer strahlblauer Himmel winkt mir zu, ein laues Lüftchen weht, die Sonne scheint, jedoch nicht zu heiß. Ich erinnere mich an die Sommer meiner Kindheit. So habe ich Sommer in Erinnerung. Blau. Vogelgezwitschert. Sonnenbeschienen und doch luftumweht.

Unbeschwert. Lebensfreude und Endlosigkeit. Ewigkeit.

Ich spüre, wie verschüttete Gefühle anfangen zu rumoren. Sich versuchen, Platz zu schaffen. Pure Lebensfreude und das Gefühl, dass es ewig so weitergeht, brechen auf. Wann habe ich das zum letzten Mal empfunden? Mein erwachsenes Ich beginnt, sich zu wehren. Das Wissen um Zeit und meinen Alltag, die „Realität“ und die vielen Dinge, die sich in meinem Kopf herumtreiben und mich jeden Augenblick an so vieles versuchen zu erinnern, mahnen mich, dass dies pure Illusion und vergänglich ist. Es fällt mir schwer, mich dieser Unbeschwertheit hinzugeben und ich merke, wie weit ich mich von der kindlichen Unbeschwertheit entfernt habe. Nicht, dass ich es nicht schon früher immer einmal gespürt hätte. Doch es trifft mich wieder mit voller Wucht und maßlosem Erstaunen, dass sich Gefühle und die Wahrnehmungen der Zeit so verändern können. Was als Kind ein großer Raum mit viel Sommer, Sonne, Freiheit und Unbeschwertheit und dem Gefühl, das alles möglich ist, war, ist geschrumpft zu einigen Minuten des Zu-sich-Kommens in meinem hektischen Alltag, der die vielen Termine und Notwendigkeiten sieht und dabei den Zauber des Sommers, des Jetzt, aus den Augen verloren hat. Ein großer Ewigkeitsmoment in der Kindheit wird zu einem kleinen fast unwirklichen Moment meines verplanten Erwachsenendaseins. Und gleichzeitig erahne ich, dass das wahre, das echte Leben, jene früheren Momente sind, die der Ewigkeit so nahe waren…

Ja, ich kenne die Crux des Zeitempfindens. Je älter man wird, desto schneller vergeht – gefühlt – die Zeit. Die Ewigkeitsmomente werden kürzer, zumindest bis zu einer gewissen Lebensphase. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie, gefühlt als älterer Mensch, wieder zunehmen, wenn man wieder mehr Zeit hat.

Und doch vermisse ich sie jetzt, diese Ewigkeitsmomente, diese Momente des puren, vollkommenen Glücks, in denen wie damals nichts das Leben getrübt hat und die Wunder vor der Tür standen. In denen ich voll von Sonne und Leben, Farben und Gerüchen, abends heimkomme und glücklich und übervoll, in Erwartung eines neuen Tages, geborgen und tagessatt, zufrieden erschöpft in einen wohligen Schlaf sinke…

Sind sie wirklich so weit entfernt, meine Momente der Ewigkeit? Wenn ich dem Sommer lausche, seinen Duft tief einsauge und die warme Sonne auf meine Haut scheint, kann ich sie noch tief in mir spüren, meine Momente der Glückseligkeit und der Unbefangenheit. Und ich frage mich, ob ich sie nicht einfach öfter herausholen kann in meinen Erwachsenenalltag, der doch genauso voller schöner Dinge ist. Ich glaube fest, dass das Kind tief in mir darauf wartet, sich wieder mehr zu regen und die tiefen prägenden schönen Momente meines Lebens – und davon gibt es tatsächlich genug! – wie Glitzerkonfetti in meinen Alltag zu streuen, nein, zu werfen, voller Enthusiasmus und der Gewissheit, dass das alles nie wirklich weg war, sondern einfach oft zugedeckt von meiner eigenen Interpretation des Erwachsenwerdens.

Denn wer sagt denn, dass das „wahre, echte Leben als Erwachsener“ ohne Konfetti und köstlichen Sommerdüften zu sein hat…?

Remember the sparkling of lost summers…
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